2: Simone Schild, Schulleiterin, Dt. Schulpreis 2014

Transkript

Simone Schild: Lehrkräfte sind nicht mehr die Alleinkämpfer vor der Klasse. Wenn wir das schaffen, dass wir unser Teams immer gut stärken und gut zusammenarbeiten können. Dann denke ich kann sich eine Schule gut weiterentwickeln.

Florian Geierstanger: Herzlich willkommen beim Lernhaus-Podcast! Mein Name ist Florin Geierstanger und ich spreche in dem Podcast mit Akteurinnen und Akteuren vom Münchner Lernhaus-Konzept. Und heute bin ich zu Gast bei der Simone Schild, sie ist Schulleiterin der Anne-Frank-Realschule im München-Pasing. Als ich zum ersten Mal hier in Ihrer Schule war, war ich bei einer Schulhausführung und da haben uns nicht nur Sie und Ihr Kollegium geführt, sondern es haben uns auch zwei Schülerinnen geführt, zwei Neuntklässlerinnen. Und dann mal so zwischendrin, in einer ruhigen Minute, habe ich mal eine der Schülerinnen gefragt: „Ja, wie findest Du es denn so in der Schule? Was ist so Dein Eindruck oder was denkst Du über die Schule?“ Und da sagte sie, das lese ich Ihnen jetzt vor: „Ich habe ein gutes, vertrautes Verhältnis zu meinen Lehrern. Sie sind fast wie meine Freunde. In der Grundschule dagegen hatte ich Angst vor meinen Lehrern.“ Also tolle Aussage, wenn das schon mal der Kern ist für einen Schüler, wenn dies so ankommt. Ich würde jetzt aber sagen, bei Ihnen, was ich noch über die Schule weiß, das ist kein Zufall. Das liegt nicht daran, dass diese Schülerin gerade mit ihren Lehrern ein gutes Verhältnis hat. Sondern Sie tun ganz viel, an ganz verschiedenen Stellschrauben, mit ganz verschiedenen Elementen der Schulentwicklung, dass es dann zu solchen guten Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern kommt. Darüber wollen wir sprechen in den nächsten ungefähr 45 Minuten. Wann sind Sie denn an diese Schule gekommen?

Simone Schild: Ich bin 2006 an die Schule gekommen. Und mich hat hier fasziniert, dass die Lehrkräfte gut in Teams zusammenarbeiten. Dass es also zu bestimmten Themen Teams gab, die das Thema bearbeitet haben, die sich Gedanken darum gemacht haben und die das dann ins Kollegium gebracht haben als Idee und mit umgesetzt haben. Das fand ich als Arbeitsweise ganz gut. Also Schulentwicklung kann nur so funktionieren, dass man praktisch in bestimmten Strukturen arbeitet.

Florian Geierstanger: 2006 da war die Anne-Frank-Realschule noch keine Ganztagsschule. Oder noch nicht komplett.

Simone Schild: Ja. 2006, jetzt muss ich mich zurückerinnern, damit ich nichts Verkehrtes sage, gab es, glaube ich, eine oder zwei Ganztagsklassen in der fünften Klasse und das war relativ neu, also dass die fünften und sechsten Klassen in den Ganztag gehen konnten. Es gab um die Zeit eine pädagogische Nachmittagsbetreuung, sodass die Schülerinnen praktisch, die ihre Hausaufgaben in der Schule gemacht haben, sich anmelden konnten und hier pädagogisch betreut wurden.

Florian Geierstanger: Und kann man sagen, dass diese Umstellung auf den gebundenen Ganztag-? War das so das erste große Schulentwicklungsprojekt, was Sie hier mitbekommen haben oder mitgemacht haben?

Simone Schild: Ich war relativ schnell in dieser pädagogischen Nachmittagsbetreuung und habe die dann später geleitet und habe gesagt „Die muss ja den Kindern etwas bringen. Also wenn die Kinder nur hier sitzen und wirklich nur betreut werden, dann kann man sie nicht fördern.“ Und wir haben uns dann Gedanken gemacht, in einem Team, was wir machen können, um die Schülerinnen zu unterstützen. Wir hatten ein Konzept erarbeitet, dass Grundwissen noch einmal gefördert wird, dass die Kinder schon ihre Hausaufgaben machen konnten und dass ansonsten noch Dinge, die notwendig waren, passiert sind. Also wir haben das wirklich versucht, in ein Konzept zu bringen. Allerdings ist es so, von dieser Nachmittagsbetreuung haben sich die Kinder gern verabschiedet, wenn im Frühjahr die Sonne wiedergekommen ist und die Gruppen, mal waren es mehr, mal waren es weniger-, und das hatte nicht eine Konstanz und Stabilität. Und man hat auch nicht alle Kinder der Schule erreicht. Und damit gab es immer einen großen Punkt der Unzufriedenheit. Zum einen auf der Seite der Kinder, es gab auch Kinder, die unterschiedlich viele Hausaufgaben bekommen haben. Manche unendlich viel, weil die Lehrer nicht geschaut haben, was die anderen Lehrkräfte aufgegeben hatten und manche ganz wenig. Und das zusammenzubringen, das war schon eine große Herausforderung. Und in diesem Team haben wir dann irgendwann einmal gesagt „Viel besser wäre der gebundene Ganztag. Weil, dann kann man ein Konzept machen, was für alle Kinder gut ist und wo alle gut lernen können.“

Florian Geierstanger: Was Sie jetzt zuerst beschrieben haben, das war der offene Ganztag?

Simone Schild: Das war der offene Ganztag, genau.

Florian Geierstanger: Was ist jetzt der Unterschied zum gebundenen Ganztag?

Simone Schild: Der gebundene Ganztag bedeutet, dass der Unterricht für die komplette Klasse, die im Ganztag ist, praktisch über einen Tag strukturiert ist und damit erreiche ich die Kinder ganz anders. Wir bei uns an der Schule haben als allererstes Hausaufgaben abgeschafft. Und wir haben gesagt „Alles das, was das Kind lernen muss-, die Zeit reicht in der Schule.“ Dass man praktisch sagt, die sind von früh um acht bis 16 Uhr bei uns an der Schule und in der Zeit gibt es viele Möglichkeiten, gut zu lernen und dann braucht man nicht Hausaufgaben. Weil, ein Kind muss auch nach Hause gehen können, entspannen können, damit es am nächsten Tag wieder ausgeruht in die Schule kommen kann. Und das haben wir versucht, in unser Konzept mit einzubringen, für den gebundenen Ganztag.

Florian Geierstanger: Und wenn Sie als Gruppe beim pädagogischen Nachmittag sagen „Ja, das wäre jetzt besser, wir hätten den gebundenen Ganztag, statt den offenen Ganztag“, dann ist es ja noch nicht realisiert. Also da müssen ja viele zustimmen (Simone Schild: Genau.) und da mit ins Boot geholt werden.

Simone Schild: Genau. Das war ja zu Anfang nur eine Idee, die wir immer so geäußert haben. „Ach, das wäre ganz gut, wir könnten die Kinder anders erreichen“ und so weiter. Und dann gab es eine Einschreibung, die praktisch also dazu geführt hat, dass wir alle unseren fünften Klassen, wir hatten damals drei fünfte Klassen, die wollten alle in den Ganztag gehen. Bis auf einzelne Ausnahmen, ich glaube, fünf oder sieben Kinder, die für die Regelschule angemeldet waren. Und wir haben dann mit den Eltern geredet, sodass wir gesagt haben „Wir starten mit allen fünften komplett im Ganztag.“ Und haben dann natürlich uns intensiver hingesetzt und haben über ein Konzept geredet. „Wie kann man den Ganztag so gut gestalten, dass die Kinder wirklich in der Schule lernen können, dass man die Schule noch viel besser als Lernort ausbauen kann?“ Und das haben wir dann auch gemacht. Also wir sind zu anderen Schulen gefahren, haben uns andere Konzepte angeschaut. Und einen Zündfunken hat, glaube ich, die Frau (? Rasfeld) gesetzt. Das ist die Schulleiterin von der evangelischen Schule in Berlin-Mitte gewesen damals, die von ihrem Schulkonzept berichtet hat. Wo wir gesagt haben, eigentlich Lernbüros, das war so das eine, was da mit aufgekommen ist. Das sind so Dinge, das könnte gut funktionieren bei uns. Und wir schauen uns das einfach an, wie sie das machen.

Florian Geierstanger: Wann war das ungefähr? In welchem Jahr waren Sie-? Also ich habe hier 2012/13, wo das komplett auf Ganztag umgestellt-.

Simone Schild: Genau. Und 2011 war das, wo wir uns hingesetzt haben und überlegt haben: „Wie verändern wir die Schule?“ 2011 war diese Einschreibung mit den fünften Klassen und dann haben wir uns praktisch ein Jahr lang hingesetzt und haben überlegt: „Wie bringen wir das Konzept in die Schule? Was machen wir dann?“ und je weiter das Konzept fortgeschritten war, desto mehr waren wir überzeugt davon, dass das doch ganz gut ist.

Florian Geierstanger: Wer ist wir?

Simone Schild: Also dieses Team, dieses Ganztages-Team, was aus vielen Lehrerinnen bestanden hat, hier in der Schule. Also praktisch die, die an andere Schulen gefahren sind, die das mitgebracht haben, die sich Gedanken gemacht haben, wie das gut funktioniert. Jeder hat so seine Erfahrungen mitgebracht. Und was noch eine gute Idee war, war die Idee von Herrn (? Schweppe), der gesagt hat, dass sich Schulen in Lernhäuser strukturieren sollten. Die war, glaube ich, noch ein bisschen-, also das könnte auch 2011 gewesen sein. Es hat sich alles irgendwie so zusammengefunden um diese Zeit. Und wir haben dann lange überlegt: „Wie strukturieren wir die Schule? Was macht denn Sinn?“ Also eine Forderung war praktisch also, dass die praktisch von fünfte bis zehnte Klasse geordnet sein sollten. Und wir haben erst überlegt: „Passt das?“ Weil, unsere Schülerinnen wählen in der sechsten Klasse ihren Zweig, also ihr Prüfungsfach für die Abschlussprüfung. Und wir hatten immer das Gefühl, fünfte, sechste ist so eine Einheit und ab der siebenten sind die in ihren Zweigen gebunden. Und das hat aber nicht zu dem Lernhauskonzept von Herrn (? Schweppe) gepasst, wo wir praktisch von fünf bis zehn das Lernhaus bilden. Und wir haben dann irgendwann einmal entschieden „Gut, dann ordnen wir die fünften und sechsten Klassen einfach zu und lassen zu, dass man nach der sechsten Klasse noch einmal das Lernhaus wechselt, um dann in den entsprechenden Zweig zu gehen.“ Und das hat sich als sehr gut herausgestellt. Also die Grundstruktur der Schule in Lernhäuser, das ist ein unglaublich wichtiges Element in der Schule. Ohne die Strukturierung würde die Schule nicht so gut funktionieren können, wie sie das tut.

Florian Geierstanger: Also um es noch einmal einfach zu sagen, weil, das Wort Lernhaus, es weiß ja auch nicht jeder, was ist ein Lernhaus. Was ist ein Lernhaus? Sie haben jetzt vier, fünf-? (Simone Schild: wir haben vier Lernhäuser.) Vier Lernhäuser. Und was ist ein Lernhaus? Es besteht aus der Klasse fünf bis zehn?

Simone Schild: Also, jedem Lernhaus ist eine fünfte, eine sechste, eine siebente, eine achte, eine neunte und eine zehnte Klasse zugeordnet. Ab der siebenten Jahrgangsstufe haben wir das ausgerichtet nach unseren Zweigen. Das heißt, bei uns, wir haben den Zweig Sozialwesen, also das vierte Prüfungsfach, neben Mathe, Deutsch und Englisch. Sozialwesen, wir haben das in Französisch und wir haben, weil wir unsere Schülerinnen in Naturwissenschaft und Technik fördern, zwei Lernhäuser, die praktisch eine Physik-Abschlussprüfung machen, also im naturwissenschaftlichen Bereich. Und die fünften und sechsten Klassen ordnen wir zu, sodass wir tatsächlich so eine kleine Schule in der großen Schule haben. Und es ist praktisch, ja, vertikal angeordnet, wenn man das so ein bisschen mit solchen Begriffen noch mit bringen-. Das bedeutet, die Schülerinnen sind in dem Lernhaus, es ist eine überschaubare Einheit. Und wir versuchen, in der Verwendung, die wir zuordnen, dass auch die Lehrkräfte ganz stabil sind. Und jetzt kommen wir wieder zu dem, was Sie anfangs gesagt hatten: Wie kann es gelingen, gute Beziehungen aufzubauen? Und das ist ein Baustein davon. Das heißt also, die Lehrkräfte, die dem Lernhaus zugeordnet sind, die kennen ihre Schülerinnen sehr gut und umgedreht kennen die Schülerinnen die Lehrkräfte im Lernhaus sehr gut. Wir haben Teams als Klassenleitungen, das heißt also, zwei Lehrkräfte betreuen praktisch-, betreuen ist das verkehrte Wort, also sind verantwortlich für eine Klasse. Und wir schauen, dass zumindest ab der Jahrgangsstufe sieben das konstant bleibt. Dass man also fünfte, sechste Klasse eine Klassenleitung als Team komplett bleibt. Und das man dann siebente bis zehnte Klasse auch die Klasse konstant begleitet beim Lernen.

Florian Geierstanger: Das hört sich jetzt so -, also die Schüler von der fünften bis zur zehnten in einem Lernhaus. Sie gehen-, ja, sie sind in einem Lernhaus. Das hört sich so architektonisch an. Jetzt haben Sie kein neues Gebäude, in dem die Lernhäuser schon gebaut sind, sondern Sie haben eigentlich ein Bestandsgebäude. Ich weiß nicht, vielleicht wissen Sie von wann, was da die Bauzeit ungefähr ist?

Simone Schild: Die Schule ist `57, glaube ich, entstanden und Anfang `60, also 1961 oder 1962 ist dann das Gebäude bezogen worden. Das heißt, aus der Zeit stammen die Schule und die Architektur. Wir haben so split level, das heißt also, wir haben Flure. Jeder Flur hat drei Klassenzimmer und dann die halbe Etage weiter ist der nächste Flur, der genauso aussieht, wieder mit drei Klassenzimmern. Und das hat sich für uns ganz gut angeboten, wir konnten praktisch zwei solche Flure auch räumlich gut nutzen, um zu sagen, das ist jetzt unser Lernhaus oder dort bringen wir das Lernhaus unter. Sodass wir praktisch also in der Schule immer jeweils zwei zusammenhängende Flure als ein Lernhaus definiert haben.

Florian Geierstanger: Das sind dann sechs Klassen. Also zu diesen sechs Klassenzimmern, was gibt es noch für Räume in einem Lernhaus?

Simone Schild: Das ist halt der Bestandsbau, wenig bis keine. Also wir haben zwischen den Klassenzimmern so kleine Räumchen, das waren Garderoben. Und wir haben in jedem Lernhaus ein solches kleines Räumchen, was wirklich also schmal und also eng ist, trotzdem hergenommen und haben einen kleinen Ruheraum daraus gestaltet. Sodass man sich also auch mal ganz kurz zurückziehen kann und dort auch mal ein Stück für sich sein kann. Mal so eine kurze Auszeit von vielleicht einer Viertelstunde, die dann aber dazu führt, dass man nicht die Schule verlässt, sondern vielleicht wieder genügend Kraft hat, um weiter zu lernen.

Florian Geierstanger: Wer nimmt die Auszeit? Die Lehrer oder-?

Simone Schild: Nein, die Schüler.

Florian Geierstanger: Die Schüler, die Schülerinnen. Wir haben es noch gar nicht gesagt, es ist eine Mädchenschule.

Simone Schild: Genau. Genau, bei uns lernen nur Schülerinnen. Und unser Konzept ist natürlich darauf ausgerichtet, dass Schülerinnen gut lernen können.

Florian Geierstanger: Also mein zweites Zitat, oder jetzt nicht als Zitat, aber als indirektes Zitat von dieser, meiner kurzen Befragung der Schülerinnen, das war nämlich auf diesen Ruheraum bezogen. Und da hat eine andere Schülerin gesagt, also der schönste Ort für sie, in der Schule, ist der Ruheraum, den hatte sie selber mitgestaltet hat. (Simone Schild: Genau.) Und wir haben ihn auch damals, als ich hier war, angeschaut. Also mit hängenden Wolken oder so Lampen in Wolkenform und die Wände sind schön blau bemalt und Sofas sind drin.

Simone Schild: Genau, genau. Das war wichtig. Also das ist-, also Kinder mit einzubeziehen in ihr tägliches Leben, das ist auch ein Grundsatz, der uns sehr, sehr wichtig ist. Also es bringt überhaupt nichts, wenn sich Lehrkräfte Gedanken machen um ein Konzept, wenn sie nicht die Betroffenen, also praktisch die Schülerinnen, die hier lernen, mit einbeziehen und mit fragen. Und das ist eine Grundkomponente, die für uns tatsächlich sehr, sehr wichtig ist. Wir beziehen alle mit ein, alle Beteiligten. Also wir haben ein Schülerinnen-Parlament, das praktisch in alle Entscheidungen, die wir treffen, mit einbezogen ist und wir arbeiten auch sehr eng mit den Eltern zusammen. Und dadurch, dass praktisch Lehrkräfte, Schülerinnen und Eltern immer eng miteinander zusammenarbeiten, das erhöht auch wieder die Zufriedenheit. Weil wieder die Beziehungen praktisch, die notwendig sind, um gut lernen zu können, sich auch gut ausprägen können.

Florian Geierstanger: Wie arbeiten Sie mit den Eltern zusammen? Ich habe das auch ganz präsent in Erinnerung aus diesem ersten Besuch, da waren die Lehrkräfte aus Geretsried, die waren auch ganz beeindruckt, wie Sie die Eltern-, wie Sie mit den Eltern umgehen oder wie Sie die Eltern auch fordern.

Simone Schild: Genau. Also nachdem praktisch unsere Schule in Lernhäusern strukturiert ist, ist es so, dass dann praktisch zwei Lehrkräfte als Lernhaus-Sprecher agiert haben. Das wird sich jetzt ändern. Also wir bekommen jetzt Lernhaus-Leitungen, damit verändert sich noch einmal ein bisschen etwas in der Schule, aber bislang war es so, dass praktisch zwei Lehrkräfte die Lernhaus-Sprecher waren. Und wir haben das auf allen Ebenen gleich gemacht. Das heißt, zwei Kinder, zwei Schülerinnen sind im Lernhaus Lernhaus-Sprecherinnen. Und auch bei den Eltern haben wir das so gemacht, dass wir praktisch, um gut mit den Eltern zu kommunizieren, dass wir aus dem Kreis der Klassen-Elternsprecher und -Sprecherinnen zwei Eltern gebeten haben, auch eine Sprecherrolle für das Lernhaus mit zu übernehmen, um die Kommunikationswege ein Stück zu verkürzen. Also dass wir gut kommunizieren können, dass wir praktisch im Lernhaus mit den Eltern kommunizieren und anliegende Eltern dann relativ schnell zu uns in die Schulleitung kommen können praktisch, sodass man dann wieder miteinander reden kann. Und ein zentraler Punkt ist unser Schulentwicklungstag, den wir immer zu Beginn des Schuljahres halten, wo praktisch unser Weg besprochen wird und dass nicht nur das Schulentwicklungsteam der Schule dabei ist, sondern unsere Schülerinnen-Parlament und auch Eltern, aus den Lernhaus-Sprechern oder Vertretern dieser.

Florian Geierstanger: Was wäre jetzt so ein Thema, was von den Eltern, den Lernhaus-Sprechern, was da so zum Beispiel kommt?

Simone Schild: Die Eltern interessiert natürlich immer, ob unser Konzept aufgeht. Ein ganz aktuelles, das war so ein Streitthema im letzten Schuljahr, dass sie gesagt haben. „Hm, mit den Lernbüros, keine Hausaufgaben werden gegeben und ihr sagt, die Kinder können alles, was sie brauchen, in der Schule lernen. Aber wir beobachten zuhause, die lernen auch zuhause noch sehr viel. Zu viel eigentlich und sie sind dann überfordert.“ Und wir wussten nicht genau, sind es jetzt also Eltern, die praktisch für ihr Kind sprechen? Oder ist es tatsächlich etwas, was die ganze Schule betrifft? Und wir haben dann eine Umfrage gestaltet und haben das evaluiert, noch einmal genau auch die Themen. Und haben dann die Kinder gefragt, wie viel Zeit also sie zum Lernen zuhause noch einmal verwenden. Und das war dann ganz interessant, das ist im Zusammenhang mit den Eltern praktisch entstanden. Wir haben es dann auch mit den Eltern und mit den Schülerinnen wieder zusammen ausgewertet und haben dann wieder Punkte gefunden, wo wir sagen „Dort müssen wir noch einmal genauer hinschauen. Also dort müssen wir vielleicht Anpassungen im Konzept vornehmen, dass die Kinder besser lernen können.“

Florian Geierstanger: Was waren so in der Tendenz-? Also hatten die dann viel gelernt alle? Oder teilweise sehr viel und teilweise gar nicht?

Simone Schild: Nein, nein. Das war ganz unterschiedlich. Also wir haben das-, jahrgangstufenmäßig konnten wir die Ergebnisse vergleichen und wir haben festgestellt: Die Kleinen lernen tatsächlich mehr in der Schule. Aber wenn es dann zur Abschlussprüfung geht, dort werden die Kinder unglaublich ehrgeizig und fleißig und lernen viel zuhause. Und wir haben dann schon noch einmal überlegt „Wie können wir trotzdem Dinge wieder in die Schule holen?“ Also dass die Kinder sich nicht überfordern zuhause, sondern dass sie wirklich im Lernort Schule die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Sodass wir alle Kinder erreichen. Weil, es haben ja nicht alle Kinder zuhause die gleichen Voraussetzungen, dass jemand da ist, der helfen kann und unterstützen kann. Oder dass man Ruhe zum Lernen hat. Und wir wollen aber eine Bildungsgerechtigkeit erreichen. Wir wollen, dass jedes Kind, das uns besucht, die gleichen Voraussetzungen hat, einen guten Abschluss zu machen. Das ist unser großes Ziel.

Florian Geierstanger: Jetzt ist schon ein Stichwort gefallen und zwar das selbstständige Lernen im Lernbüro. Was hat es denn damit auf sich? Sie haben schon ein bisschen gesagt, Frau (? Rasfeld), aus Berlin-Mitte, hat sie da inspiriert. (Simone Schild: Genau.) Was ist das?

Simone Schild: Genau, genau. Wir machen es anders, als die Frau (? Rasfeld) und trotzdem waren die unsere Ideengeber oder die Inspiration. Unsere Lernbüros sehen so aus, dass die Schülerinnen zweimal in der Woche eine Doppelstunde im Stundenplan haben, wo Lernbüro drinsteht. Das ist für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Und ab der siebenten Jahrgangsstufe gibt es noch ein Lernbüro, wo das Profilfach, also Sozialwesen, Französisch, Physik, gekoppelt mit Biologie und Erdkunde stattfindet. Und wir haben tatsächlich, also alle Lehrkräfte in den entsprechenden Fachschaften, Bausteine vorbereitet, sodass die Schülerinnen zum einen Themen haben, die sie sich selbstständig erarbeiten können oder parallel zum Unterricht Dinge üben können. Und das machen sie aber selbstständig im Lernbüro. Das heißt also, diese Lernbüros sind so gestaltet, dass die Schülerinnen sich über ein Computerprogramm einen Platz buchen. Sie können dann selber entscheiden, ob sie in Deutsch, Mathematik oder Englisch gehen und müssen aber im Halbjahr bestimmte Bausteine, die vorher schon festgelegt wurden, die sie auch wissen, die sie absolvieren müssen, als Programm dann praktisch absolvieren.

Florian Geierstanger: Wo sind die Lernbüros? Also Sie sagen, da bucht man sich ein als Schüler, über ein Computerprogramm. Und wo? Im Bürokomplex nebenan oder-?

Simone Schild: Man muss noch dazusagen-. Nein, nein, die sind alle in der Schule und die Lernbüros finden immer im Lernhaus statt. Also das heißt, wenn im Stundenplan Lernbüro steht, dann hat das komplette Lernhaus Lernbüro. Das heißt also, man trifft sich in der Gruppe, wo Schülerinnen aus allen Jahrgangsstufen zusammenkommen. Und das Programm ist so, dass es also bestimmte Plätze vorrätig hat. Sodass aus jeder Klasse drei bis vier Schülerinnen in einem Lernbüro praktisch zusammenfinden können. Und die Klassenzimmer werden dann zu Lernbüros.

Florian Geierstanger: Also das ist einfach eine andere Nutzung des Raumes, aber das ist der gleiche Raum?

Simone Schild: Eine andere Nutzung, plus ein paar Räume, die wir dann an der Schule gesucht haben, die praktisch also auch noch für Lernbüros zur Verfügung stehen.

Florian Geierstanger: Und zu dieser anderen Nutzung gehört eben, dass jetzt der Klassenverband eigentlich in der Lernbüro-Zeit aufgehoben wird?

Simone Schild: Der ist aufgehoben, genau. Und das hat sich als ganz gut erwiesen, also diese Gruppe. Zum einen, man lernt sich wieder gut kennen. Also die Schülerinnen kennen in der fünften Klasse dann auch Schülerinnen, aus der siebenten, achten, neunten oder zehnten Jahrgangsstufe. Und es ist so, natürlich bekommt jede Schülerin das Material, was sie gerade persönlich erarbeiten muss. Aber wenn die Schülerin eine Frage hat und nicht weiterkommt, dann schreibt sie ihre Frage an die Tafel und eine andere Schülerin aus dem Lernbüro, die die Frage liest und sich denkt, „ich kann das Thema“, kann dann mit dieser Schülerin auf den Flur gehen. Also wir nutzen dann den Flur auch als Lernort mit. Und dann besprechen sich die beiden Schülerinnen. Die ältere, die vielleicht das Thema schon bearbeitet hat, wiederholt es praktisch bei der Beantwortung der Frage. Und die, die die Frage hatte, bekommt praktisch die Information, die ihr gefehlt hat, um ihre Aufgabe weiter zu bearbeiten. Sodass praktisch beide etwas davon haben. Und die Lehrkraft hat eine ganz andere Rolle, also es ist nicht mehr die Lehrkraft, die dafür sorgt, dass praktisch dann das Wissen an die Kinder weitervermittelt wird, sondern die begleitet den Prozess. Die schaut, meldet sich wirklich jemand, wenn nicht, dass man sich dann überlegt, „wer könnte das wissen?“ Man spricht dann eine Schülerin an, ob sie nicht gemeinsam vor die Tür gehen wollen und das kurz besprechen. Das ist eben eine ganz andere Rolle der Lehrkraft, die dann mehr zur Lernbegleitung wird, als Wissensvermittler. Das Wissen sich anzueignen, das ist dann wieder die selbstständige Aufgabe der Schülerinnen. Und das sind ja auch Dinge, die sie später im Leben einmal beherrschen müssen. Dort ist dann niemand mehr da, der auf die Person zukommt und sagt „So, jetzt zeige ich Dir, wie das und das geht.“ Viele Dinge muss man sich selber erarbeiten und das trainieren wir dort.

Florian Geierstanger: Das Selbsterarbeiten, das ist ja sehr schwierig. Also vor allem, wenn man viel Stoff hat. Wo fängt man da an? Wo hört man auf?

Simone Schild: Die Bausteine sind so konzipiert, dass die tatsächlich also so ein bisschen einen Leitfaden bieten. Also wir haben die Themen so strukturiert, dass wir praktisch viele Erklärungen liefern oder sagen „Geh ins Internet, es gibt die und die Seite, dort findest Du weitere Erklärungen dazu.“ Dass es dann kleine Übungsaufgaben gibt, Dinge, die vielleicht schon mal so eine Art-, also vorgestellt wurden und dann kann man eine Aufgabe machen, die ähnlich strukturiert ist, sodass man sich langsam herantasten kann. Also das sind nicht nur Themen, wo man sagt „So, jetzt mach irgendwie“, sondern sie haben schon eine Struktur. Also so, dass wir das, von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe natürlich unterschiedlich und angepasst an den Lernfortschritt der Kinder, dass man das dann immer selbstständiger machen kann.

Florian Geierstanger: Die Selbstlern-Bausteine, die sind in sich strukturiert, dass man die gut-, dass man da nicht verloren geht? (Simone Schild: Genau.) Und aber auch-, es ist ja auch strukturiert, welche Selbstlern-Bausteine man macht, in welcher Reihenfolge? Oder aus welchen man auswählt, weil, man hat ja diesen-. Die Schüler haben den Schrank im Lernbüro, da sind die ganzen Ordner mit den Bausteinen drin. Und wie wählen Sie die aus?

Simone Schild: In Mathematik ist es so, dass da eine gewisse Reihenfolge notwendig ist. Immer die Lehrkraft, die in der Klasse Unterricht hat in dem entsprechenden Fach, bespricht das mit den Schülerinnen, dass die wissen, in welcher Reihenfolge sie die Bausteine machen sollen. In Deutsch und in Englisch ist die Reihenfolge nicht ganz so wichtig, da kann man auch mal einen Wiederholungsbaustein machen, wenn man ein Thema nicht macht. In Mathematik baut das ein bisschen aufeinander auf, da muss man erst gewisse Voraussetzungen haben, bevor man den nächsten Baustein angehen kann. Aber die Kinder bekommen dort den Leitfaden, also das ist-. Zu Beginn des Schuljahres bespricht das jede Lehrkraft und die Lehrkräfte, also die Fach-Lehrkräfte im Unterricht, begleiten dann auch die Schülerinnen, dass sie im Lernbüro das machen, was Sinn macht und dort also gut aufgehoben sind. Und die Lehrkräfte, die das Lernbüro praktisch beaufsichtigen, aber dort ist man ja immer bei jemand anderem, je nachdem, wo man sich den Platz eingebucht hat, die schauen dann wieder: „Was bringt das Kind mit? Was hat das Kind besprochen mit der Lehrkraft? Wo ist es gerade und passt der Baustein jetzt zu dem, was das Kind sagt?“ Also so, dass praktisch trotzdem jeder noch ein bisschen aufgehoben ist und dann dort gut arbeiten kann und nicht verloren geht.

Florian Geierstanger: Ja. Das Logbuch, dieses schöne, gebundene, jedes Jahr neu aufgelegte Anne-Frank-Realschule-Logbuch. Heißt es Logbuch? (Simone Schild: Ja.) Was hat es mit dem auf sich?

Simone Schild: Das ist natürlich genau passend jetzt dazu. Das Lernen muss begleitet werden in irgendeiner Form. Und unser Logbuch ist ein Kommunikations-Instrument. Zum einen dokumentiert die Schülerin ihr Lernen in dem Logbuch. Sie dokumentiert sich: „Welche Themen habe ich im Unterricht besprochen?“ Sie kann sich aufschreiben: „Wo brauche ich vielleicht noch Unterstützung? Aber was kann ich auch schon richtig gut?“ Also so, dass man sich selber besser kennenlernt, dazu soll es dienen. Und es gibt ja Logbuch-Gespräche, auch fest verankert im Stundenplan, wo die Klassenleitungen mit ihren Schülerinnen in einem Vier-Augengespräch, in einem ganz vertraulichen Gespräch, sprechen. Wo die Schülerin dann praktisch äußern kann „Was habe ich gut gelernt? Was kann ich gut? Oder was ist mir gut gelungen an anderen Dingen?“ Also es ist ja nicht nur Lernen, was zu einem Schulalltag gehört. „Was sind meine Stärken? Und was kann ich noch nicht so in dem Umfang, wie ich denke, dass ich das brauche? Welche Unterstützung brauche ich?“ Und man bespricht dann: „Wo kommt die Unterstützung her? Wer kann helfen und unterstützen?“ Sodass praktisch ein Kind im Laufe der Zeit lernt, sich selber gut einzuschätzen. „Wo liegen meine Stärken? Was kann ich besonders gut?“ Und dort auch noch eine Förderung erhalten, weil, man muss Stärken natürlich immer wieder fördern und fordern. Aber Dinge, die man nicht gut kann, dass man dort die Unterstützung braucht, damit man wirklich eine Abschlussprüfung dann zum Schluss zum Beispiel gut bestehen kann.

Florian Geierstanger: Also als ich das zum ersten Mal gehört habe, dieses 1:1-Gespräch, ich war total fasziniert, weil, es ist so unterschiedlich zu meiner eigenen Schulzeit -, dass ich mit einem Lehrer-. Das ist jeden Monat? (Simone Schild: Ungefähr.) Dass ich regelmäßig, Sie können es gleich noch einmal genauer sagen, wie es ist, aber dass ich einfach regelmäßig mit einem Lehrer, ich weiß nicht, vielleicht kann ich mir den sogar selber aussuchen, darüber spreche, jetzt über den Unterricht, was funktioniert oder über mich selbst spreche-. Also das ist einfach so ein Konzept, was in meinem Bild von Schule, aus meiner eigenen Schulzeit, nicht vorkommt.

Simone Schild: Vieles ist so in unserer Umwelt defizit-orientiert. Also man guckt immer auf die Defizite, was nicht geht und dann halt so-, man bohrt mit dem Finger rein. Und wir haben dann gesagt: „Eigentlich kann das nicht funktionieren, wenn man immer nur die Schwächen sieht. Und wenn Kinder immer nur dann zum Gespräch müssen, wenn man etwas verbockt hat.“ Um es jetzt mal in der Sprache zu sagen. …#00:37:45# Ab zur Schulleitung und jetzt aber-. Sondern jedes Kind braucht ein Gespräch, jedes Kind ist wichtig und das sagen wir auch und wir meinen das auch tatsächlich so und praktizieren das genau in der Form, dass wir sagen „Wir schauen auf jede Schülerin und begleiten praktisch den Lernprozess ganz individuell für die Schülerin.“ So, das geht nur in Gesprächen. Also das geht nur dann, wenn man sich dazu äußern kann. Und ganz oft ist es ja so, ganz leise, ruhige Schülerinnen, die fallen dann unter den Tisch. Die machen so ihres und dann ist das so. Aber kennt nicht die Dinge, die das Kind bewegen und die Gedanken kennt man nicht. Und dann ist dann trotzdem vielleicht die Beziehung nicht so gut. Und die, die laut und auffällig sind, die hat man immer irgendwo im Blick, die begleitet man dann anders. Manchmal sogar dann vielleicht besser. Weil die das für sich so einfordern. Und wir haben gesagt „Dort muss eine Gerechtigkeit her. Man muss mit allen reden. Unabhängig von irgendwelchen Dingen.“ Und dann braucht niemand mehr ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man zum Gespräch geht. Sondern man kann sich öffnen und kann tatsächlich irgendwie doch besser über sich reden. Und wir haben ja die Kinder hier, wenn sie in der Pubertät sind und jeder, der schon einmal ein pubertierendes Kind zuhause hatte, weiß, wie das also sein kann. Wir begleiten sie dadurch gut. Also wir können sagen „Das ist ganz normal, dass das so eintritt und das gehört dazu.“ Oder dort hat man mal einen Fehler gemacht, das ist auch normal. Man kann sich nur weiterentwickeln, wenn man Fehler gemacht hat und daraus lernt. Man muss es nur richtig machen. Und wir leiten dann dadurch entsprechend an.

Florian Geierstanger: Und wie passt es-? Also Sie sind ja-, die Anne-Frank-Realschule ist ja keine Pilotschule oder keine Privatschule oder kein besonderes Projekt. Sondern es ist eine ganz normale städtische Regelschule (Simone Schild: Genau) und mit dem Stundenbudget, das Sie eben haben. Wie machen Sie das dann, dass jetzt plötzlich Einzelgespräche für jede Schülerin herausspringen?

Simone Schild: Also dadurch, dass wir komplett im Ganztag sind, bekommen wir ja die Ganztagsstunden von der Stadt München. Und wir haben praktisch dadurch also zugeordnete Ganztagsstunden und aus diesem Ganztagsbudget nehmen wir praktisch für die Klassenleitung dann diese Stunde, wo sie das Logbuch-Gespräch führen können. Das ist wichtiger, als viele andere Dinge, die man manchmal macht. Man muss viel zusammen reden. Je eher man miteinander spricht und je besser man Gespräche führt, desto schneller kann man auf Situationen eingehen. Und es gibt immer mal Konflikte, nie ist man einer Meinung, das geht nicht. Also so funktioniert ja Leben nicht, aber man kann dadurch Probleme, die sich entwickeln, vielleicht schon schneller erkennen und kann besser darauf eingehen und besser damit umgehen. Es sind die Beziehungen. Also gutes Lernen hat immer etwas mit guten Beziehungen zu tun. Und wenn wir dafür sorgen, durch Strukturen und durch Stundenvergabe, die wir entsprechend so einsetzen, dass das möglich ist, dass man gut miteinander reden kann, dann kann man die Beziehungen pflegen. Und ich finde, man merkt das tatsächlich. Also wir freuen uns jetzt alle schon, wenn die Schule nächsten Dienstag wieder startet, dass unsere Schülerinnen wieder zurückkommen. Wir bereiten das gut vor, mit pädagogischen Tagen und überlegen uns wieder: „Wie können wir uns noch Stück weiterentwickeln? Passen die Dinge, die wir machen? Wo brauchen wir vielleicht Veränderung, weil sich die Gesellschaft verändert?“ Und das machen wir alle gerne.

Florian Geierstanger: In welcher Regelmäßigkeit hat dieses Logbuch-Gespräch-?

Simone Schild: Es ist jetzt so, wir haben gesagt „Es muss im Minimum zwischen den Ferien ein Mal mit dem Kind ausführlicher gesprochen werden.“

Florian Geierstanger: „Ausführlicher“ heißt-?

Simone Schild: „Ausführlicher“ ist so im Umfang von mindestens 20 bis 30 Minuten. Wenn Bedarf besteht, dass es irgendetwas gibt, wo ein Kind also noch mehr betreut werden muss, dann verkürzt sich das auch mal. Dann kann es auch mal sein, dass man jede Woche mit dem Kind spricht. Aber im Minimum muss praktisch dieses eine Gespräch zwischen den Ferien stattfinden.

Florian Geierstanger: Und das ist mit der Klassenleitung? Einer der beiden Klassenleitungen?

Simone Schild: Genau. Ja, ja.

Florian Geierstanger: Bei den Selbstlern-Bausteinen, da habe ich jetzt auch noch eines vergessen, das können wir vielleicht noch nachtragen. Wo kommen die her? Also die werden ja nicht vom Schulbuchverlag gemacht, sondern von den Lehrern.

Simone Schild: Das machen die Lehrkräfte. Also jeder, der praktisch Lernbüro im Stundenplan zu stehen hat, ist mit dafür verantwortlich, dass die Bausteine-. Mittlerweile existieren die ja schon, wir haben uns da wirklich alle hingesetzt in den Fachschaften und haben Bausteine also erstellt, sodass die Schülerinnen gut arbeiten konnten. Und jetzt geht es praktisch darum, dass man sieht: „Funktionieren die Bausteine noch? Können die Kinder damit gut arbeiten?“ Das ist eine Fachschafts-Thematik immer. Also so, wie man Unterricht gemeinsam bespricht und überlegt, „Was sind gute Methoden? Wie können wir unseren Unterricht qualitativ verbessern?“ gehören praktisch auch die Verbesserungen der Bausteine dazu. Jetzt ändert sich gerade der Lehrplan, Lehrplan Plus ist eingeführt worden. Das heißt also, so Stück für Stück ändern sich jetzt auch unsere Bausteine alle, weil sie ja auf den Lehrplan Plus umgeschrieben werden müssen.

Florian Geierstanger: Ich hatte gerade am Wochenende mit einer Lehrerin aus dem Bregenzer Wald gesprochen und hatte sie gefragt „Ja, wie schaut es bei Ihnen aus mit offenem Unterricht, mit Selbstlernen?“ Sagt sie: „Ja, wir haben Selbstlern-Klassen und die werden aber jedes Jahr neu zusammengestellt, welche Selbstlern-Klassen möglich sind. Anhand der Lehrer, die sich dafür bereiterklären.“ Sie hat es auch schon gemacht, aber sie findet, es ist so viel Arbeit, diese Bausteine zu machen, deswegen macht sie es nicht immer. Also manchmal lässt sie sich da breitschlagen. Wie haben Sie das gelöst, dass das nicht-, dass nicht die Lehrer also so viel Extra-Engagement dafür drauflegen müssen, dass sie es dann nicht machen?

Simone Schild: Unsere Lehrer gehen gerne in die Lernbüros, weil die einfach gut funktionieren. Also das ist-, also die Gruppen sind-, also wir machen praktisch-. Wir teilen dann immer Klassen, wenn man so will. Also aus sechs Klassen entstehen zwölf Lernbüros und dadurch hat man eine kleinere Gruppe, man ist der Lernbegleiter. Und dadurch, dass ja die Bausteine schon vorbereitet sind, man hat keine Vorbereitungszeit eigentlich. Also man geht ins Lernbüro ohne die Vorbereitung und man hat keine Korrektur von einer Schulaufgabe oder Stehgreifaufgabe oder einem anderen Leistungsnachweis. Und dadurch hat man ja noch Zeit praktisch und wenn man die Zeit nimmt und kontinuierlich auf die Bausteine mit schaut, dann kann man die Qualität tatsächlich wahren. Zu Anfang war es ein Riesen-Kraftakt. Aber es waren alle wirklich -, also die Idee hatten alle mitgetragen und da war die ganze Schule involviert in das Ganze. Es waren ja die Fachschaften Deutsch, Mathe und Englisch, die die Bausteine vorbereitet haben und ich kann mich noch gut daran erinnern. Wir haben dann die Unterrichte manchmal so geplant, dass die, die nicht in den Fachschaften sind, die Unterrichte übernommen haben, damit der stattfinden kann. Sodass praktisch die Fachschaften Deutsch, Mathe und Englisch in einer Riesen-Hauruckaktion die ersten Bausteine erstellt haben. Und wir waren dann alle ganz gespannt und haben uns dann selber gesagt „Es kann ja in einem Riesen-Chaos enden, wir wissen es nicht, aber wir lassen es mal auf uns zukommen“ Und es war aber nicht Chaos, sondern es war erstaunlich gut, wie schnell die Kinder gut gelernt haben im Lernbüro und das für sich gut nutzen konnten. Und haben uns dann als Rückmeldung gegeben: „Sie gehen gerne ins Lernbüro und lernen gerne selbstständig. Weil, sie können in ihrem eigenen Tempo lernen.“ Im Unterricht ist es immer vom Lehrer gesteuert-, praktisch geht man doch im gleichen Tempo voran. Man wartet, wenn jemand nicht so mitkommt oder es geht zügiger, je nachdem. Aber im Lernbüro kann ich mein eigenes Tempo wählen. Bin ich schnell, dann komme ich schneller durch. Brauche ich länger, dann brauche ich länger und man steht niemandem im Weg, sondern kann es tatsächlich für sich selber anpassen.

Florian Geierstanger: Und welchen Stoff lernen die Schülerinnen im Lernbüro? Also ist es derselbe? Ist es ein Teil des Stoffes, der auch im Frontal-Unterricht oder im normalen Unterricht gemacht wird? Oder ist es derselbe oder ist es ein anderer, ein optionaler Stoff?

Simone Schild: Es ist so, dadurch dass es uns sehr wichtig ist, dass Kinder auch einmal ganz selbstständig sich Themen selber erarbeiten, haben wir gesagt „Die Fachschaften haben den Stoffverteilungsplan im Schuljahr.“ Und ist es so, dass praktisch-. Alle, die die gleiche Jahrgangsstufe unterrichten, müssen sich auf den gleichen Stoffverteilungsplan einigen. Sodass praktisch dieses Selbstlernthema, was behandelt wird im Lernbüro, dort mit vorkommt in einer bestimmten Zeit, also dass man dort nicht kollidiert praktisch zeitlich. Aber ansonsten sind es alles Themen, die in die Jahrgangsstufe gehören, vom Lehrplan her. Und es gibt dieses Selbstlernthema, was dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder im Unterricht behandelt wird. Das bedeutet, ich habe vorausgelernt und kann aber im Unterricht das mit nutzen und anwenden und dort noch einmal vertiefen. Und zu den anderen Themen gibt es Übungsbausteine. Das bedeutet also, ich bin an einer bestimmten Stelle im Unterricht und die Lehrkraft sagt dann: „Im Lernbüro findet ihr Übungsbausteine dazu. Die und die und die sind das.“ Und dann ist praktisch die Aufgabe, jetzt geht es darum, die Übungsbausteine zu bearbeiten und sich dann entsprechend noch einmal Aufgaben zu holen, wo man wiederholt.

Florian Geierstanger: Und wie werden die Schülerinnen motiviert, im Lernbüro zu arbeiten? Also wird es benotet? Kriegen sie dann eine Note dafür, was sie machen?

Simone Schild: Nein. Wir haben da lange darüber diskutiert, ob eine Bewertung sein muss oder nicht. Und wir haben gesagt „Wir bewerten nicht“, also das ist ein völlig druckfreies Lernen, ohne Noten. Und die Schülerinnen, wir sprechen ja oft, also mit unseren Schülerinnen, und hinterfragen, ob das so passt oder nicht und die sagen: “Das Allerbeste an den Lernbüros ist, dass sie gut lernen können, dass es keine Noten gibt, dass es nicht den Notendruck gibt.“ Noten gibt es im normalen Unterricht. Also wir sind ja, wie Sie schon gesagt haben, eine ganz normale, öffentliche Schule, wir müssen alle Noten erfüllen, die praktisch durch die Gesetze vorgeschrieben sind. Und das Lernbüro bietet praktisch den Raum, um druckfrei zu arbeiten und die Schülerinnen lieben das. Also die sagen „Es würde nicht funktionieren, wenn dort ein Notendruck wäre. Dann würde man das Lernen anders ausrichten.“ Also sie können dort tatsächlich sagen “Ich brauche mehr Übungen, in dem und dem Bereich“ und machen das, ohne dass dann Notendruck entsteht, weil ja eine andere Stelle nicht berücksichtigt wird. Ausnahmen sind die Lernbüros in Biologie und in Erdkunde. Dort haben wir das mal probiert. Und dort gibt es immer wieder-, also das muss immer wieder angepasst werden. Also man merkt ganz genau, dass-. Also in Erdkunde gibt es praktisch pro Halbjahr eine Note, wo Grundwissen erarbeitet wird. Wir haben die Bausteine dort so angelegt, dass praktisch Grundwissen, was später mal vielleicht abgefragt wird, in Einstellungstests oder so eine besondere Rolle spielen, und das wird tatsächlich einmal benotet. Und das ist immer: „Habe ich Zeit? Konnte ich mich einbuchen in das Erdkunde-Lernbüro? Oder wie mache ich das jetzt und ach Gott, ich habe eigentlich schon gelernt, aber meine Note habe ich noch nicht.“ Und man merkt genau, welcher Stress dann dort auftritt, der eigentlich sonst nicht ist. Biologie ähnlich noch einmal.

Florian Geierstanger: Und gibt es Pläne, das auch einmal zu verändern, diese Benotung in den beiden Fächern?

Simone Schild: Im Moment haben wir sie noch und wie wir weiter damit umgehen, das-, wie gesagt, wir befragen die Kinder. Wir schauen, wie das geht und überlegen „Was waren Vorteile davon? Was sind Nachteile? Welche anderen Möglichkeiten gibt es?“ Und irgendwann haben wir dann wieder einen Konsens, den wir dann wieder umsetzen entsprechend.

Florian Geierstanger: Ein Thema, was wir noch gar nicht gehabt haben, das ist der Projektunterricht. Ich glaube, das ist ein wichtiges Thema für die Schule.

Simone Schild: Genau. Also das ist-, wir sind ja eine reine Mädchenschule, Sie hatten es vorhin schon einmal genannt, und wir fördern die Schülerinnen in Naturwissenschaft und Technik. Also das ist eine Sache, die wir als sehr, sehr wichtig empfinden. Und das wird im Projektunterricht praktisch also durchgeführt. In allen Jahrgangsstufen und es ist egal, welches Lernhaus man besucht, gibt es ab der fünften Jahrgangsstufe Projekte in Naturwissenschaft, die dann in einem großen Präsentationsabend auch den Eltern präsentiert werden. Und die Kinder arbeiten dort gut zusammen im Team, lernen also solche Arbeitsformen noch einmal kennen. Sie lernen Präsentationsformen und –Methoden kennen. Das steigert unglaublich das Selbstwertgefühl, wenn man auf einen bestimmten Gebiet, was jetzt vielleicht nicht zum Unterricht gehört, sondern an einem anderen Lernort beispielsweise Stärken entdeckt an sich selber. Und deshalb, das ist so eine Sache, die sich konstant durchzieht. Und die Technik, gerade für Mädchen, ist deshalb wichtig-. Wenn man beobachtet, ich war ja vorher auch an gemischten Schulen tätig, gerade im naturwissenschaftlichen Bereich, ich unterrichte ja selber Mathematik/Chemie, also naturwissenschaftliche Fächer, IT auch noch, Mädchen ziehen sich dann gerne zurück, also das ist-, und lassen erst einmal die Jungs machen, die vielleicht anders herangehen an Sachen und erst einmal wild probieren oder so. Mädels haben dann doch lieber eine Anleitung oder Ähnliches. Und bei uns ist es halt anders, dadurch, dass wir von der fünften Klasse an mit naturwissenschaftlichen Themen uns beschäftigen und die Schülerinnen sich damit beschäftigen, lernen sie, anders damit umzugehen und verlieren die Scheu. Und können gut in der Gruppe arbeiten. Und wir bekommen oft von Firmen die Rückmeldung, die unsere Schülerinnen einstellen oder vielleicht auch mal ein Assessment-Center durchführen, dass sie sagen „Die fallen auf, weil sie sich in der Gruppe ganz anders bewegen, als das sonst vielleicht mädchentypisch ist.“ Und dadurch steigen natürlich Berufschancen und wir wollen sie ja entlassen als mündige Schülerinnen. Und damit das gut gelingt, ist das ein ganz, ganz wichtiger Baustein, also eine Säule von unserem Programm, die richtig wichtig ist.

Florian Geierstanger: Ich habe ihren Überblick gesehen über das Jahr. Also da ist ja-, jede Woche ist eine andere Klasse in einem anderen Projekt.

Simone Schild: Wir haben viele Dinge. Also neben den naturwissenschaftlichen Projekten natürlich auch noch andere. Weil der Projektunterricht, also als Unterrichtsform, wichtig ist. Also uns ist es tatsächlich wichtig, welche Kompetenzen, auch sozialen Kompetenzen nehmen die Schülerinnen mit? Dass sie Verantwortung für sich selber, aber für andere natürlich genauso mit übernehmen können und das lässt sich gut in Projekten umsetzen.

Florian Geierstanger: Wie lange dauert so eine Projekteinheit?

Simone Schild: Das kommt immer ganz darauf an. Also diese naturwissenschaftlichen Projekte dauern in der Regel zwei bis drei Tage. Dann hat man noch einen Tag, wo man die Präsentation vorbereitet und dann findet die Präsentation statt, so ungefähr muss man sich das-. Und das ist dann einmalig im Schuljahr, dann ist das Projekt abgeschlossen. Aber während des Schuljahres gibt es natürlich noch Projekte, die durchgeführt werden können, und dann kann es durchaus so sein, wir haben das jetzt einmal ausprobiert, dass wir einen Tag im Stundenplan so gestalten, dass die Fächer also kooperieren können miteinander. Und dass wir dann zum Beispiel einen Freitag als Projekttag definieren und das dann praktisch der Unterricht also in Etappen oder Epochen praktisch also projektmäßig gehalten werden kann.

Florian Geierstanger: Also dann sind-, vier Freitage sind dann das Mathe-Projekt und dann sind vier Freitage das Englisch-Projekt und so weiter.

Simone Schild: So ungefähr, genau. Und das macht natürlich einen größeren Freiraum. Weil dann, wenn ich zum Beispiel mal sechs Stunden am Stück in meinem Fach unterrichte, dann lässt sich viel leichter ein Unterrichtsgang einplanen oder ich muss dann nicht-, ich kann die Pausen individueller machen und muss niemanden aus dem Arbeitsprozess stören. Sondern die aufgaben können einfach ganz anders gestellt werden, als wenn ich nach 90 Minuten, wir haben Doppelstunden-Prinzip, also um schon mal mehr Zeit zum Arbeiten überhaupt zu haben und das ist viel entspannter dann und nachhaltiger. Die Kinder lernen dadurch besser.

Florian Geierstanger: Die Projekte, also Sie haben es schon kurz angesprochen, die enden in einer Präsentation. Das ist aber keine kleine Präsentation, sondern das ist ein richtiges Event.

Simone Schild: Genau. Genau, genau und muss gut vorbereitet ein.

Florian Geierstanger: Und da werden aber alle Projekte oder alle Projekte einer Klasse oder eines Lernhauses präsentiert? Das ist ja ein Tag im Schuljahr oder im Halbjahr?

Simone Schild: Ich nehme mal das Beispiel sechste Klasse, unsere Mädchen-Techniktage. Wir arbeiten ja mit externen Partnern zusammen und das ist so-.

Florian Geierstanger: Also TU zum Beispiel.

Simone Schild: Genau, die Kinder können wählen, ob sie an die LMU gehen, in die Didaktik Chemie. Dort arbeiten wir mit der Abteilung zusammen, wo Studenten und Studentinnen oder auch Mitarbeiter dort der Didaktik-Abteilung das mit uns gemeinsam vorbereiten, von den Themen her. Und dann geht eine Gruppe Sechstklässlerinnen dorthin. Das muss nicht eine Klasse sein, im Gegenteil, sondern die wählen praktisch aus anderen Sachen auch noch. Eine Gruppe geht ins Fab-Lab und widmet sich dort physikalischen Themen. Die andere Gruppe geht an die TU und programmiert Roboter. Und wir schauen immer, dass es tatsächlich Partner gibt, die mit uns zusammen die Themen praktisch vorbereiten und dass externe Referenten dann die Themen mit unterrichten. Und dann, das ist völlig frei von Noten, sondern wichtig ist uns, dass die Kinder dort Spaß und Freude an Naturwissenschaft und Technik erkennen und praktisch also über diese Hürde kommen. Also was macht das mit mir, wenn ich das kann oder nicht kann? Und das sind tatsächlich alle Projekte, die wir dort anbieten, das Physikprojekt1 haben wir hier an der Schule, das machen unsere Physiklehrer. Und die Kinder der sechsten hatten noch nicht Physik, deshalb sind es also ganz neue Themen. Gemischt aus den sechsten Klassen, die bei uns sind, so dass praktisch jedes Kind irgendetwas macht und irgendwann kommt man wieder zusammen. Sodass die Projekte, praktisch die vier, vorgestellt werden. Und zum einen stellen sie sich das untereinander für die anderen in der Klasse vor, die jetzt in einem anderen Projekt waren, den Eltern, den Lehrkräften. Und wir haben gesagt, wir machen immer eine Bühnenpräsentation, die jetzt nicht unbedingt-, man soll sich nicht hinstellen und sagen „am ersten Tag habe ich das und das gemacht und das und das“ sondern wo man sich etwas Witziges einfallen lassen kann. Einen Song oder ein Theaterstück oder mit Tanz, irgendetwas Kreatives, was man auf der Bühne darbietet. Das ist immer hochspannend und wirklich schön. Und dann gibt es noch einen Marktplatz, wo man praktisch einen Stand bekommt und dort stelle ich ganz genau aus, was habe ich gemacht und kann das dann im Gespräch mit den Besuchern noch einmal genau erläutern und vielleicht-. Also ganz oft überlegen sich die Kinder etwas Interaktives, also wo die Besucher etwas machen können, sodass das ein spannender Abend wird.

Florian Geierstanger: Was ist jetzt, wenn ich Ihnen als Vater sage „Ja, das ist ja schön, die machen da Projekte, meine Kinder in der Schule. Sollen sie ruhig mal ihre Projekte machen, aber ich habe eh so viel um die Ohren, da kann ich leider nicht kommen.“

Simone Schild: Das ist natürlich schade, wenn das so ist. Aber wir sprechen schon im Vorfeld mit den Eltern und sagen „Natürlich haben Eltern eine Verantwortung, ein Kind genauso mit zu begleiten durch die Schulzeit.“ Also das ist einfach wichtig, dass man immer miteinander spricht und in Kontakt bleibt. Also uns ist wichtig, dass die Eltern zu Elternabenden kommen, die zu Schuljahresbeginn stattfinden. Und wenn so Präsentationsabende sind, ein Kind noch einmal zu sehen, in einer ganz anderen Umgebung und zu sehen, was hat es gelernt, das erfüllt eigentlich immer mit Stolz. Also wir beobachten das immer, wenn die Eltern da sind, dann sehen, was das Kind Tolles auf der Bühne präsentiert oder an dem Stand, wo es gearbeitet hat, mit welcher Freude, dann wächst das noch einmal. Also ohne die Präsentationsabende wären die Projekte nie rund, die gehören einfach zwingend dazu, das durchzuführen. Und es spricht sich herum, also mittlerweile ist es ja schon so, dass das regelmäßig stattfindet und dadurch kommen viele Eltern.

Florian Geierstanger: Ja, das habe ich mir gemerkt von dieser Führung, die Sie gegeben haben, diese Betonung darauf, dass es wichtig ist, dass auch die Eltern wertschätzen, was ihre Kinde hier machen und eben zu solchen Terminen auch wirklich kommen.

Simone Schild: Genau. Und wir schätzen ja die Zusammenarbeit mit unseren Eltern sehr, also das-, und wir haben einen sehr guten Elternbeirat, mit dem wir eng und gut zusammenarbeiten. Und es geht ja tatsächlich immer um die Kinder. Das heißt also, es sind ihre Kinder, die hier sind. Und ich gehe einmal davon aus, dass die Eltern wollen, die Kinder einen guten Abschluss machen, dass sie sich gut entwickeln und dadurch also-, man kann das im Gespräch gut machen. Das sind Gelegenheiten, um in die Schule zu kommen und das Fortschreiten zu sehen, wie sich ein Kind entwickelt. Und das noch einmal im Gespräch mit Lehrkräfte das vielleicht noch einmal zu sehen in irgendeiner Form und deshalb, das ist wichtig, dass man immer zusammenarbeitet.

Florian Geierstanger: Gut, jetzt haben wir einen großen Bogen über die Schule gemacht. Haben wir etwas vergessen, was wichtig ist?

Simone Schild: Ich überlege schon, ich glaube schon. Es gibt noch ein Thema, was wirklich wichtig ist, was ich gerne ansprechen würde. Was jetzt vielleicht so mit, ich sage jetzt mal gesellschaftlicher Wandel, wie verändert sich die Gesellschaft, die wichtig ist-. Umso wichtiger ist, dass man eine demokratische Erziehung in der Schule lebt. Und das sind so Dinge, die in den letzten Jahren noch einmal besonders wichtig geworden sind. Also wir sind ja die Anne-Frank-Realschule und zu dem Thema haben wir jetzt in diesem Schuljahr eine große Wanderausstellung. Und das wird natürlich so sein, diese Ausstellung, da führen unsere Schülerinnen. Also die haben sich praktisch-, oder lassen sich ausbilden zu Guides, die dann Besucher, die zu uns kommen, die durch die Ausstellung dann führen entsprechend. Wir starten das mit einer großen Eröffnungsveranstaltung und das sind Themen, die sind unglaublich wichtig. Und die Arbeit mit unserem Schülerinnen-Parlament, dass wir wirklich sagen „Das sind demokratische Strukturen. Wir besprechen unsere Entscheidungen vorher mit euch. Wir fragen euch und überlegen, was sinnvoll ist und was nicht.“ Und sie wirklich ganz aktiv dort mit einbeziehen, das denke ich, ist unglaublich wichtig. Und wenn wir sagen, „Wir wollen sie als mündige Schülerinnen entlassen“, dann muss man auch immer etwas dafür tun. Wir entscheiden nicht über die Köpfe, sondern wir beziehen sie immer mit ein. Und deshalb ist dieses Demokratie lernen etwas, was vielleicht noch mehr an Bedeutung gewinnt, als das bislang der Fall war. Was wir natürlich in unsere Konzepte mit einarbeiten, immer mehr.

Florian Geierstanger: Das wäre dann auch so eine Abschlussfrage. Also wenn Sie so kurz innerlich die Augen schließen und so überlegen, wie schaut die Schule in zehn Jahren aus, was ist da die-, haben Sie eine Art Vorstellung, wo es hingehen soll?

Simone Schild: Also ich würde mir wünschen, dass es immer noch so ist, wie jetzt, dass man sagt „Wir sind eine lernende Organisation.“ Also auf keinen Fall darf Stillstand bei irgendeinem Thema eintreten, sondern dass man wirklich immer wieder schaut „Kommt das, was wir machen, wirklich bei den Schülerinnen an? Können die dann gut lernen? Funktioniert das?“ Und dass das immer noch so ist, das würde ich mir wünschen. Die Themen, die werden sich ändern. Die Gesellschaft wird sich ändern. Die Kinder, in zehn Jahren, werden andere Bedarfe haben, als die Kinder jetzt. Digitalisierung, das nächste Stichwort, wo wir, denke ich, auch eine ganze Menge noch zu machen haben, da haben wir jetzt auch noch nichts dazu gesagt. Aber das verändert die Gesellschaft. Also wer hätte gedacht, vor 20 Jahren, dass Internet, Handy und so weiter unser Leben so bestimmen, wie jetzt. Das hat sich entwickelt und auf die Entwicklungen muss man eingehen und muss Kinder mit begleiten. Also Kinder kommen jetzt in ganz andere Situationen, als vielleicht noch vor fünf oder zehn Jahren und es wird sich schneller verändern, als das vielleicht in den letzten Jahren war. Also man muss immer ganz flexibel sein und ganz flexibel auf Dinge reagieren können. Und ich wünsche mir, dass wir die Flexibilität behalten können.

Florian Geierstanger: Und, also mein Bild so vom deutschen Schulsystem ist ja, dass es eine sehr starre und sich langsam verändernde Institution ist. Jetzt haben wir ja eine Stunde lang besprochen, was Sie alles, sehr radikal, an diesem Schulsystem hier in der Anne-Frank-Schule verändert haben. Das ist wirklich eine lernende Institution. Und was ist jetzt Ihr Geheimnis, dass diese Anne-Frank-Realschule so beweglich ist und lernt, selbst lernt, als Institution?

Simone Schild: Ich glaube, das ist, also wir sind wieder am Anfang gelandet, es sind die Beziehungen, die wir pflegen, auch die Lehrkräfte. Also dadurch, dass wir die Teams natürlich nach wie vor an unseren Schulen haben, die Lernhaus-Teams, wir stärken unsere Lehrkräfte genauso, indem wir sagen, „Das müssen starke Teams sein, sie müssen gut zusammenarbeiten können.“ Lehrkräfte sind nicht mehr die Alleinkämpfer vor der Klasse, um das vielleicht einmal mit so einem Begriff zu sagen. Sondern wenn Lehrkräfte gut im Team zusammenarbeiten, dann ist das zum einen kräfteschonend. Sie hatten vorhin einmal ein Beispiel genannt, dass die Lehrkraft gesagt hat, ihr ist das zu viel. Wenn man das so macht, wenn man das nur auf die Lehrkräfte ausweitet praktisch und sagt „Mach Du oder mach nicht“, je nachdem, dann wird es immer schwierig und wird die Kraft der einzelnen Lehrkraft kosten. Aber wenn ich im Team zusammenarbeiten kann, dann weiß ich genau, irgendwelche Sachen kann ich gut, also das Stärkenorientierte und das gebe ich in die Gruppe. Ich kann vielleicht eine andere Sache nicht so gut, aber das kann wieder ein Kollege, eine Kollegin ganz gut. Und dadurch sind Teams in ihrer Arbeit wesentlich effektiver und stärker, als eine einzelne Person. Und wenn wir das schaffen, das wir unsere Teams immer gut stärken können und gut zusammenarbeiten können, dann, denke ich, kann sich eine Schule gut weiterentwickeln und das würde ich allen empfehlen. Das kann man machen, das ist unabhängig von irgendwelchen Gesetzen und ähnlichen Dingen. Und ich glaube schon, dass das so ein bisschen unser Grundstein ist, dass wir als Schule uns gut entwickeln können.

Florian Geierstanger: Vielen Dank Frau Schild. Vielen Dank an alle Zuhörerinnen und Zuhörer für das Zuhören. Dieser Podcast findet im Rahmen eines Dokumentarfilm-Projektes über die Münchner Lernhäuser statt. Es gibt schon ein erstes Video. Und alles Weitere, auch eine zweite Folge vom Podcast gibt es unter lernhausfilm.de Dort können Sie auch den Newsletter abonnieren, und das beste Feedback wäre natürlich, wenn Sie als Zuhörer mir auch Fragen und Anregungen schicken, über Ihre eigene Schule, über die eigene Schulzeit. Gern auch Schüler-/Schülerinnen-Zusendungen, am besten per E-Mail unter florian@lernhausfilm.de.

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